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Alles begann mit einem Krankenhausaufenthalt von Frau Inge Bultschnieder im September 2012. Sie liegt im Zimmer mit Frau Katya Antonova.

Frau Bultschnieder erinnert sich noch, dass ihre 38 jährige Bettnachbarin fürchterlich aussah: ganz dünn und Ringe unter den Augen. Augenscheinlich in keinem guten Allgemeinzustand. Sie tat ihr einfach nur leid. In einer abenteuerlichen Sprachmischung aus den paar Brocken Deutsch, die Katya konnte, und dem bisschen Mazedonisch, das Inge Bultschnieder einmal gelernt hatte, konnten sich die Bettnachbarinnen austauschen. Katyas Augen begannen zu funkeln, als sie merkte, dass sich jemand für sie interessierte. Frau Bultschnieder erfuhr, dass Katya wegen eines Asthmaanfalls, den sie während ihrer Arbeit im Fleischwerk Tönnies erlitten hatte, ins Krankenhaus eingeliefert worden war. „Da habe ich ihr versprochen, dass ich auf sie aufpassen werde, und das habe ich dann auch gemacht“.

Acht Wochen vergingen, ohne dass die beiden Frauen etwas voneinander hörten. Katya war zwischenzeitlich wieder in Bulgarien bei ihrem Sohn, kam dann aber wieder nach Deutschland zurück. Vor ziemlich genau einem Jahr besuchte Inge Bultschnieder ihre neue Bekannte in deren Unterkunft in Herzebrock. „Es war einfach schrecklich dort, Katya musste sich mit vier anderen Frauen, die alle rauchten, ein Zimmer teilen – und das bei ihrem Asthma. Im Winter kurz, vor Weihnachten, hatte Katya sich einen grippalen Infekt eingefangen.

Trotz 40 Grad Fiebers schleppte sie sich zur Arbeit, aus Angst davor, ihren Job zu verlieren. Jedes Wochenende war Katya von da an bei den Bultschnieders zum Aufpäppeln und Kräftetanken. Dennoch erfolgte im April der endgültige Zusammenbruch. Katya wurde erneut ins Krankenhaus eingeliefert. Als sie nach einigen Tagen aus der Klinik entlassen wurde, musste sie feststellen, dass ihr die Werkvertragsfirma gekündigt hatte.

Mit gepackten Tüten stand sie auf einmal vor der Haustür der Familie Bultschnieder. Die fackelten  nicht lange, boten der Frau Unterkunft und Verpflegung an. Heute lebt Katya mit ihrem Ehemann in Wiedenbrück. Der hat einen Job auf einem Bauernhof gefunden, und sie selbst hat inzwischen auch eine Stelle in Aussicht. Und eine eigene Wohnung? Die hat das Paar mittlerweile auch, dank der Vermittlung der Bultschnieders.

 

Aus persönlicher Betroffenheit zum gemeinsamen Engagement: 

Gründerin der Rheda-Wiedenbrücker Interessengemeinschaft Inge Bultschnieder: Das Wissen um die Arbeitsbedingungen vieler Werkvertragsbeschäftigten werte ich ganz klar als Verpflichtung jedes Christen, aufzustehen und zu sagen: Halt, so kann das nicht

weitergehen".  

Einladungszettel Einladungszettel Mit kleinen Infoblättern, die sie auf dem Pfarrfest von St. Aegidius Wiedenbrück verteilt hatte, fing alles an. In dem Zweizeiler warb sie für eine Diskussionsrunde über das Schicksal der Werkvertragsarbeiter am Donnerstag, 5. September 2013 im Café Westhoff.

23 Interessenten folgten der kurzfristigen Einladung. Bei der zweiten Veranstaltung einige Wochen später im Gasthof Klein hatte sich die Zahl der Unterstützer schon mehr als verdoppelt. Es waren und sind alle Schichten der Bevölkerung vertreten. 

 

Aus den Gedankenspielen, Überlegungen und Diskussionen der Teilnehmer_innen erwuchs der Gedanke an einen Bekennermarsch zum Fleischwerk Tönnies, der am Freitag, den 29. November 2013 abgehalten wurde.

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